Soja und Soja Produkte - sinnvoll oder überflüssig

Soja – sinnvoll oder überflüssig?

 

Wenn ich in Gesprächen mit Kunden oder Partnern bei dem Thema Eiweiß, also Proteine, die Sojabohne als sehr gute pflanzliche Eiweißquelle anführe, erlebe ich oftmals eine große Unsicherheit bis hin zur echten Ablehnung gegenüber diesem traditionellen asiatischen Lebensmittel. Warum eigentlich? Was gibt es an dieser Bohne auszusetzen? Wo liegen die Bedenken? Okay, es müsste nicht immer Soja sein, auch die Lupine stellt beispielsweise eine regionale Alternative dar. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist die Hülsenfrucht absolut vergleichbar und selbstverständlich ebenfalls empfehlenswert. 

Zurück zur Sojabohne. Als Verfechter einer hochwertigen ausgewogenen Ernährung stehe ich der Sojabohne und deren Artgenossen durchaus positiv gegenüber. 

Hier präsentiere ich an die skeptische Sojagemeinde meine persönlichen Meinungen:

 

Wieviel ist gesund?

 

Wie so oft wenn ich über unseren Lebensmittel Konsum spreche, gilt für mich der einfache Satz: Die Dosis macht das Gift! Ein sehr gutes Beispiel ist das hierzulande äußerst beliebte Produkt „Kaffee“. In Maßen hat dieses Genussmittel wunderbare positive Eigenschaften, in größeren Mengen kann es durchaus schädlich sein. Wenn man der amerikanischen Lebensmittelbehörde glauben möchte, so gilt circa 25 Gramm Sojaprotein am Tag als eine perfekte Tagesration. Das entspricht gerade mal circa 210 Gramm Sojaprotein am Tag. Ich behaupte mal, dass in unseren Breitengraden Edamame, Tofu, Tempeh, Sojamilch oder Miso Paste nicht wirklich täglich auf unseren Tisch kommt, oder?

 

Wie wirkt Sojaprotein auf unsere Hormone und die Schilddrüse?

 

Dafür machen wir einen kleinen Ausflug in die Biochemie dieser Powerbohne: Sie enthält natürlicherweise sogenannte Isoflavone, auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt. Die haben von der Struktur her Ähnlichkeit mit den Östrogenen (eines unserer Hormone) im menschlichen Organismus. Deshalb werden sie auch gerne Phytoöstrogene genannt. Diesen Isoflavonen sagt man viele positive Eigenschaften nach, gerade was die Gesunderhaltung unseres Herz Kreislauf Systems oder die Risiko Minimierung zu Brust- oder Prostatakrebs und die Verringerung von typischen Wechseljahresbeschwerden angeht.

Trotzdem gibt es ebenso viele kritische Berichte und Studien zum Soja Konsum in Zusammenhang mit z.B.: Schilddrüsenhormonen. Woran liegt das? Diese kritischen Statements basieren in aller Regel auf Studien mit Isolaten bzw. mit hochdosierten Phytoöstrogenpräparaten, die eine viel höhere Isoflavonkonzentration aufweisen als ein natürliches Sojalebensmittel wie Tofu oder Sojamilch. Und wieder gilt der Satz: Die Dosis macht das Gift!

 

Die Sojabohne besticht durch ihre hohe biologische Wertigkeit sowie einen hohen Eiweißanteil von etwa 39 % und ein recht günstiges Fettsäurespektrum. Im Vergleich zu den meisten anderen Bohnen ist ihr Fettgehalt mit knapp 40 % des Energiegehaltes relativ hoch einzustufen. Dafür zeigt sie einen hohen Anteil von ca. 59% an mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Omega 6 und Omega 3 Gruppe, essentiellen Aminosäuren sowie einen nennenswerten Anteil an Ölsäure, eine wertvolle einfach ungesättigte Fettsäure mit gesundheitlich positiven Effekten auf den Cholesterinspiegel. Im Gegensatz dazu hält sich der Anteil an den eher unerwünschten gesättigten Fettsäuren in sehr kleinem Ausmaß.

Hinsichtlich der Mikronährstoffe kann ihr nennenswerter Anteil an Eisen, Kalzium und Kalium genannt werden. Soja Produkte führen auch nicht zu einem Vitamin-D - und Vitamin B12 Mangel bei. Im Gegenteil.

Die Bioverfügbarkeit des Eisens aus Hülsenfrüchten ist nicht sehr hoch, allerdings können wir diese über die Kombination mit Vitamin C-haltigen Produkten aufwerten. Aber auch Zink finden wir in der Sojabohne, mit einer recht guten Bioverfügbarkeit von rund 25 %. Überdies liefert sie uns eine breite Palette an B-Vitaminen, Vitamin C und einen gewissen Anteil an Ballaststoffen; deutliche Fakten also, die Soja als wertvoll darstellen lassen.

 

Daher sollten Soja Produkte immer Teil einer veganen Ernährung sein. Der Verzehr von diesem pflanzlichen Eiweiß, natürlich in Maßen, wird unbedingt empfohlen.

 

Übrigens: verschiedene Untersuchungen in Europa haben ergeben, dass wir Europäer weniger als 2 Gramm pro Kopf und Tag an Soja Produkten verzehren. Und trotzdem leiden mittlerweile geschätzt ein Drittel der zivilisierten Bevölkerung in Europa im Alter zwischen 18 und 65 Jahren an Schilddrüsen- und/oder Hormonstörungen … darüber kann man jetzt nachdenken und selbstverständlich gleich die nächste Diskussion z.B. zum Thema Jod anstoßen!

 

Fällt der Regenwald der Sojabohne zum Opfer?

 

Gute Frage. In den asiatischen Ländern werden Soja Produkte seit tausenden von Jahren konsumiert. Leider werden mittlerweile große Flächen vom Regenwald abgeholzt um Sojabohnen anzupflanzen. Das betrifft jedoch auch viele andere Produkte wie z:B. das Palmöl. 

Fakt ist, dass der größte Anteil der weltweiten Soja Ernte in die Produktion von Futtermitteln für die Massentierhaltung geht; ein weiteres großes Problem. Da wir in Deutschland nicht annähernd ausreichende landwirtschaftliche Flächen dafür haben, unser Billigfleisch-Konsum jedoch immer noch sehr hoch ist, importieren wir diese Futtermittel. Für diesen riesigen Bedarf wird hektarweise Regenwald gerodet und zerstört. Der wesentlich geringere Anteil an Sojaprodukten für den direkten menschlichen Verzehr hingegen wird in Mitteleuropa wie z.B. Luxemburg, Österreich, Frankreich und mittlerweile sogar in Süddeutschland angebaut und stammt überwiegend aus nachhaltig angebauten Sojabohnen. Auch hier zählt: Achte bei deinem Einkauf von Soja Produkten auf Regionalität und auf hochwertige Qualität aus biodynamischem Anbau.

 

Meine persönliche Meinung: Wenn mehr Soja Eiweiß anstelle von Fleisch aus Massentierhaltung dem Menschen direkt verfügbar gemacht würde, müsste es nicht den Umweg über das Tier nehmen. Agrarflächen könnten auf längere Sicht eingespart und Regenwald vor der Vernichtung gerettet werden. Wie gesagt … meine persönliche Meinung!

 

Ist die Sojabohne genmanipuliert?

 

Das ist, glaube ich, unsere größte Angst! Um die Erträge zu steigern, wird in der Landwirtschaft rund um den Globus immer mehr gentechnisch verändertes Saatgut auch bei Soja eingesetzt. Man schätzt ca. 80 % des Soja-Importes für Futtermittel (überwiegend aus den USA und Südamerika) sind gentechnisch verändert! In der EU ist die Verwendung von Gentechnik verboten und findet auch zur Lebensmittel-Herstellung offiziell nicht statt.  Die Firma TAIFUN aus Freiburg, eine der führenden Sojaprodukt-Anbieter im Lebensmittelbereich sagt dazu: “Wir dulden keinerlei genmanipuliertes Material in unseren Produkten.  Es wird nur die ökologisch angebaute Sojabohne aus eigenem Vertragsanbau verwendet und die traditionelle Sortenzüchtung ohne Gentechnik steht im Vordergrund”.

 

Meine persönliche Meinung dazu: Bevor ich über Genmanipulation - ja oder nein - bei der Sojabohne weiter diskutiere, lasse ich erst einmal die Finger weg von Billig-Weizenprodukten, denn der darin verwendete hochgezüchtete Weizen hat mit dem ursprünglichen Weizenkorn wie Dinkel oder Emmer von noch vor dreißig Jahren überhaupt nichts mehr zu tun. 

 

Und was machen wir nun mit diesen gesammelten Erkenntnissen? Vielleicht helfen sie, etwas positiver an diese wertvolle Eiweißquelle ran zu gehen. Mich würde es freuen …  und sorry, es ist nun doch mehr als “ein Wort” geworden.

Tags: Soja

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