Wie Cradle-to-Cradle unsere Wirtschaft maximal nachhaltig macht

Stell dir vor, du könntest deine Produkte nach ihrem Gebrauch dem Hersteller zurückgeben – und anstatt sie auf den Müll zu werfen, würde er die Rohstoffe in neue Waren verwandeln. Stell dir vor, du könntest industrielle Abwässer trinken. Oder das löchrige T-Shirt auf den Kompost werfen.

Das alles und mehr geht. Mit dem Cradle-to-Cradle-Konzept. Was genau dahintersteckt und warum es unsere Wirtschaft revolutionieren würde – das erfährst du hier.

Unser bisheriges Wirtschaftssystem vs. Cradle-to-Cradle

Bisher heißt die Produktion von Waren vor allem eines: Ressourcenverschwendung. Umweltverschmutzung. Abfall.

Obwohl viele Rohstoffe nur begrenzt verfügbar sind, werden sie großzügig eingesetzt und am Ende des Lebenszyklus verbrannt. So kommt es, dass Jahr für Jahr drei Milliarden Tonnen hochwertiger Stoffe auf Müllhalden oder in Verbrennungsanlagen landen – und wir sprechen hier nur von der EU.

Um diese Ressourcen zu Produkten zu verarbeiten, verwendet die Industrie darüber hinaus zahlreiche Chemikalien. Diese wiederum verschmutzen Luft, Wasser und ganze Ökosysteme. Und: Sie erschweren das Recycling der Rohstoffe enorm.

„Das geht auch anders!“, dachten sich der deutsche Chemieprofessor Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William McDonough. Zusammen haben sie ein Konzept entwickelt, das unsere Umwelt maximal schützen soll.

Cradle-to-Cradle.

Ziel des Konzeptes: Produkte so herzustellen, dass ihre Einzelteile kompostiert oder wiederverwendet werden können. Auf diese Weise entstehen weder Abfall, noch Umweltverschmutzung.

Wie soll das funktionieren?

Momentan fühlen sich die meisten Unternehmen nur für Ressourcenbezug und Herstellung verantwortlich. Recycling, Entsorgung und Umweltverschmutzung überlassen sie lieber anderen.

Genau das soll sich ändern: Bei C2C produzieren Unternehmen nicht nur – sie kümmern sich auch um die Entsorgung und Wiederverwertung. Dabei kommen zwei Kreisläufe zum Einsatz:

Biologischer Kreislauf: Hier werden dem gebrauchten Produkt organische Bestandteile entnommen und diese kompostiert. Entweder lässt sich das Produkt so vollkommen natürlich in Kompost verwandeln – oder es bleiben nicht-kompostierbare Rohstoffe übrig, die dann im technischen Kreislauf landen.

Technischer Kreislauf: Mit einfachen mechanischen oder chemischen Prozessen werden die einzelnen Rohstoffe zurückgewonnen und wiederverwendet. Die Qualität der Rohstoffe bleibt kontinuierlich gleich – auf diese Weise können die Ressourcen sich dauerhaft in dem technischen Kreislauf bewegen.

Firmen entnehmen bei der Produktion Rohstoffe aus den beiden Kreisläufen – und geben sie anschließend an diese zurück. Auf diese Weise können die Ressourcen entweder immer wieder verwendet werden (technischer Kreislauf) oder sie „verschwinden“ ohne schädlichen Abfall zu hinterlassen (biologischer Kreislauf).

Wie gut C2C klappt, zeigen einzelne Beispiele. Trigema bietet etwa ein 100 Prozent kompostierbares T-Shirt an und auch die Bayonix-Trinkflasche ist komplett biologisch abbaubar.

Wie realistisch ist Cradle-to-Cradle wirklich?

Komplett ohne giftige Substanzen zu produzieren? „Völlig unrealistisch!“, möchtest du jetzt vielleicht rufen. Und damit hast du recht. Manchmal geht es nicht ohne gefährliche Stoffe. Zum Beispiel bei unseren Kommunikationssystemen. Hier ist dann vor allem eine Sache entscheidend: Dass diese Substanzen in industriellen Kreisläufen bleiben – und nicht in die Umwelt geraten.

Vielleicht denkst du aber auch: Wenn C2C so gut ist – warum hat es sich dann bisher nicht durchgesetzt?

Weil wir hier die Hilfe der Politik brauchen. Der geringe Absatz von C2C-Ware ist vor allem einer Sache geschuldet: Die Produktion mit giftigen Stoffen ist erlaubt und durch die massenhafte Herstellung günstiger. Wären nur ungefährliche Substanzen zugelassen, sähe die Sache völlig anders aus.

Die gute Nachricht: Das Umweltministerium möchte eine 100 prozentig C2C-Einkaufspolitik durchsetzen – und auch andere Staaten interessieren sich für C2C.

Warum ist C2C besser als bisherige Konzepte?

Zwei andere Konzepte versprechen, die Umwelt zu schützen: Herkömmliches Recycling und Ökoeffizienz. Beide sind jedoch weitaus weniger nachhaltig als C2C.

Herkömmliches Recycling vs. C2C

Wenn wir die gelbe Tonne füttern, haben wir eine Hoffnung: Dass der Kunststoffmüll ein zweites Leben bekommt. In der Realität wird ein großer Teil verbrannt. Und der Rest lässt sich nur wenige Male wiederverwenden.

Denn: Genau genommen handelt es sich hier oftmals nicht um Recycling – sondern eher um Downcycling. Wird kein neues Plastik hinzugegeben, verschlechtert sich das Material bei jedem Recycling-Zyklus.

So kommt es, dass aus einer Kunststoffflasche höchstens eine Schuhsohle wird – aber keine neue Flasche mehr. Und irgendwann fällt der Rohstoff komplett aus dem Kreislauf heraus.

Bei C2C wiederum bleibt die Qualität des Materials langfristig erhalten. Auf diese Weise lässt es sich unbegrenzte wiederverwenden.

2. Ökoeffizienz vs. C2C

Ökoeffizienz heißt, unter dem Einsatz von weniger Ressourcen und Schadstoffen mehr zu produzieren. Klingt zwar gut. Aber: Es werden trotzdem fortlaufend neue Rohstoffe abgebaut und gefährliche Substanzen in die Umwelt geben – selbst, wenn die Menge sinken mag.

C2C setzt auf Ökoeffektivität: Alle Einzelstoffe des Produktes können entweder in den biologischen oder in den technischen Kreislauf gegeben werden. Schadstoffe kommen gar nicht zum Einsatz oder sie werden aus der Umwelt rausgehalten.

Fazit: Eine umweltschonende Produktion ist möglich!

C2C löst große globale Probleme: Ressourcenknappheit, Verteilungsungerechtigkeit, Exportabhängigkeiten, Konflikte um Rohstoffe und die ökologischen sowie sozialen Missstände der Rohstoffgewinnung. Grund genug, das bisherige herrschende Konzept der Ökoeffizienz endlich abzulösen: Mit Cradle-to-Cradle!

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